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 Subject :Re:Arosa 2011 technische Vorbereitungen Teil II.. 22-06-2011 22:54:23 
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Multi-Kamera-Einsatz bei Events

Wir werden 4 Kameras verwenden and den zwei Hauptevents (Zamfir-Konzert und Schlusskonzert) und 3-4 Kameras bei den Abendvorfürungen in der Hotel Lobby. Multi-Kamera tönt gut, doch es steckt mehr dahinter, als man vorerst annimmt.

Der Zweck von mehreren Kameras besteht darin, dass man eine Mischung von Total, Gross- und Detailaufnahmen machen kann. Alle Kameras laufen während des Events non-stop. Jeder Kamera wird ein Subjekt- oder eine Subjektgruppe zugeordnet. Welche der Kameraaufnahme dann letztlich verwendet wird, kann erst beim Editing (Bildschnitt) entschieden werden. Dort kann man alle 4 Kamera-Playbacks gleichzeitig laufen lassen und dann jene Einstellung verwenden, die am meisten Sinn macht und der künstlerischen Gestaltung am meisten entspricht. Ferner kann man verschiedene Überblendungen anwenden oder gar mehrere Kameraeinstellungen gleichzeitig zeigen mit einem Split-Schnitt oder Bild-im-Bild-Schnitt.

Obwohl jeder Kameraman seinen eigenen kreativen Fähikeiten nachgehen kann, braucht es eine übergeordente Aktions-Kontrolle. So sind beispielsweise alle Kameraleute und der Tonmeister mit mir per Funk verbunden (Kopfhörermikrofon). Damit kann ich die einzelnen Kameras nach Bedarf lenken. Da ich später als Editor tätig bin, kommen meine Anweisungen auch aus der Sicht des Editors. Zudem wollen wir die 'Kamera auf der Kamera' vermeiden, obwohl das nicht immer möglich ist.

Hier einige Punkte, die zu beachten sind:

0. Weissabgleich, Aufnahmemedium und Ton sicherstellen.

1. Die Kamera NIE abstellen während dem Event. Die einzige Ausnahme ist die HDR-FX1 -> Bandwechsel nach 63 Minuten. Alle andern Kameras haben eine Laufzeit von +2 Stunden.

2. Alle Kameraleute und Tonmeister in schwarz gekleidet.

3. Aufpassen, dass die Schärfe richtig eingestellt ist (manuell), vorallem bei Gross- und Detailaufnahmen. Hilfe mit Monitor.

4. Vorher auf's WC gehen. Es wäre nicht gut, die Kamera alleine auf dem Stativ zu überlassen. Falls der Kameramann aber wegen einem Notfall die Kamera verlassen müsste a) auf dem Intercom melden und b) die Kamera so einstellen und fixieren, dass sie eine Totale vom jeweiligen Kamerapunkt aus aufnimmt,

5. Kamerafreiraum Sicherstellen oder absperren, sodass keine Leute über ein Stativbein stolpern. Jede Kamera hat einen Wert von CHF 6000.-- oder mehr. Wir können uns keine Kamerastürze erlauben.

6. Keine Anweisungen von nicht autorisierten Personen entgegennehmen.

7. Eine Taschenlampe mit sich tragen. Es kann sein, dass der Kamerastandpunkt keine gute Beleuchtung hat um allfällige Bedienungs-Inschriften auf der Kamera zu lesen.

8. Am besten vor der Dreharbeit einen Gehilfen bestimmen, der allenfalls einen Drink holen kann oder sonstige kleine Arbeiten erledigen kann.

9. Genug schlafen. Alkohol vermeiden.

10. Falls Weitsichtigkeit, Lesbrille auf sich haben. (Schärfeneinstellung auf dem View-Finder oder Monitor).

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 Subject :Kamera-Position.. 22-06-2011 22:55:32 
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Mögliche Kamera-Position Hotel-Lobby

video37

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 Subject :Kamera-Position.. 22-06-2011 22:56:45 
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Mögliche Kamera-Positionen Katholische Kirche

video38
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 Subject :Zebra.. 22-06-2011 23:34:46 
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Zebra

Wer sich bei der Belichtung nicht ausschließlich auf seine Augen verlassen möchte, dem kommt die bei semi-professionellen Kameras vorhandene Zebra-Anzeige zugute: hier werden überbelichtete Bildbereiche im Sucher oder Display gestrichelt dargestellt (in den Aufnahmen selbst sind die „Zebrastreifen“ nicht zu sehen). Wird die Blende genügend heruntergeregelt, sodass keine Überbelichtung mehr stattfindet, verschwindet die Markierung. Dies kann aber nur bewerkstelligt werden, wenn die Blende auf manuel geschaltet ist. Zwar ist nicht ganz auszuschließen, dass nun andere Partien etwas dunkel geraten – dies wäre zum Beispiel der Fall in einer Gegenlichtsituation. Bei Aufnahmen in normalen Lichtverhältnissen jedoch ist die Zebra-Anzeige eine praktische Hilfe. 

Die 'Zebra'-Streifen sehen etwa so aus auf dem View-Finder.

video39

Die Zebra-Funktion ist also eine Hilfe zur korrekten Belichtung, vor allem, wenn der Kontrast sehr hoch ist, und die automatische Belichtungs-Regelung nicht mehr mithalten kann. Zebra kann ein- oder ausgeschaltet werden.

Bei den meisten Kameras kann der Zebra-Wert in % eingestellt werden. Ist er auf 100% eingestellt, gibt es bei den Zebra-Flächen keine Toleranz mehr, dh. diese angezeigten Zonen sind sicher überbelichtet. In den meisten Fällen stellt man den Zebra-Wert bei 70% ein, sodass noch 30% Spielraum vorhanden ist, wenn die Zebra-Markierung auftritt.

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 Subject :Peaking.. 23-06-2011 13:27:05 
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Peaking und Externe Monitoren

Peaking ist eine wertvolle Hilfe zur Schärfeneinstellung, besonders bei wenig Licht und Tele-Einstellung, nämlich, wenn man mit dem tiefsten Blendenwert arbeiten muss und die Tiefenschärfe gering ist. Wenn man die Peaking-Funktion einschaltet, und die Schärfe manuell reguliert, sieht man an den Kanten der Objekte, die scharf sind, eine weisse oder blaue Linie, abhängig von der jeweiligen Kamera. Diese Funktion ist wertvoll, aber funktioniert nicht immer, und zwar wenn die Kanten rund sind oder wenn an den Kanten zuwenig Kontrast aufkommt. Peaking ist in der Regel gut anwendbar bei Tischen, Möbeln, Gebäuden etc. Bei Gesichten hingegen ist die Funktion praktisch nutzlos. Deshalb verwenden wir für jene Kameras, die in den Detailbereich gehen, einen externen Monitor mit 17 oder 24 Zoll. Dieser ist gegenüber dem View-Finder flächenmässig etwa 40-50 mal grösser und erlaubt die Feineinstellung der Schärfe problemlos.

Monitoren hingegen, eignen sich nur für stationäre Kameras (auf einem Stativ).

video40

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 Subject :Re:Arosa 2011 technische Vorbereitungen Teil II.. 23-06-2011 14:08:40 
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Gestaltung

Zur Gestaltung haben wir also viele Mittel zur Verfügung, die alle sinnvoll eingesetzt werden sollen. Bevor wir aber zu Gestaltungsvariationen ansetzen, müssen die Grundeinstellungen fehlerlos sein:

  • Professioneller Weissabgleich (White Balance)
  • Gute Belichtung
  • Einwandfreie Schärfe
  • Guter Bildausschnitt (keine Abschneider oder Randbewegungen)
  • Sinnvolles erfassen der Subjektszene
  • Richtige Toneinstellung (spielt allerdings nur eine sekundäre Rolle, da der Ton auch separat aufgenommen wird.)

Erst wenn diese Grundeinstellungen in Ordnung sind, können weitere Gestaltungstechniken verwendet werden

  • Anwenden der 1/3-Regel
  • Zoom
  • Kamerafahrt
  • Pan und Tilt
  • Perspektiven (Frosch, Normal, Vogel)
  • Reduzierte Tifenschärfe bei Tele-Einstellung (zB. Vordergrund scharf, Hintergrund unscharf).
  • Wechsel der Schärfeneinstellung zB. von unscharf zu scharf
  • Schnelles Zoom-Out, um eine Situation zu erfassen
  • Wechsel der Kameraposition, Fix zu Fix (mit Stativ)
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 Subject :Spezielle Effekte.. 23-06-2011 14:17:17 
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Spezielle Effekte

Diese werden erst im Post-Prozessing bzw. Editing erstellt. Wir müssen uns also bei den Aufnahmen nicht um Überblendungen (Transitions), Titel, Untertitel, eingespielte Logos oder Grafiken etc. kümmern. Hingegen wollen wir vermeiden, dass der Bildausschnitt, die Schärfe und die White-Balance im Post-Prozessing korrigiert werden müssen, denn das sind aufwendige Prozesse und geben immer, einen geringen Verlust der Bildqualität.

Post-Prozessing (Bildschnitt)

Das Post-Prozessing wird auf einem leistungsfähigen Computer ausgeführt. Der Kameramann muss wissen, was der Editor mit seinem Computer (und dem entsprechenden Editing-Programm, wie Final Cut Pro oder Premiere CS5) kann, und was er nicht kann.

Gegenstand kann korrigiert werden

 kann korrigiert werden
doch nur mit Verlust

kann nicht korrigiert werden
Bild leicht überbelichtet   x  
Bild stark überbelichtet     x
Bild leicht unterbelichtet x    
Bild stark unterbelichtet   x  
Geringe Wackler   x  
Grobe Wackler     x
Leichte Unschärfe   x  
Grobe Unschärfe     x
Weissabgleich (Blaustich)   x  
Weissabgleich (Rotstich)   x  
Ton zu leise x    
Ton zu laut   x  
Zu starker Kontrast     x


Die Moral der Geschichte ist: Tue den Job korrekt als Kameramann, sodass keine Korrekuren im Post-Prozessing nötig sind.

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 Subject :Re:Arosa 2011 technische Vorbereitungen.. 23-06-2011 17:10:34 
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Das ganze Video-Tutorial ist ebenfalls als PDF-Datei erhältlich:

Video-Tutorial (deutsch)

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 Subject :Definitionen.. 25-06-2011 10:11:43 
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Hier einige Begriffe bzw. Funktionen bei unseren Aufnahmen:

Set: Die Umgebung, in der die Film-Aufnahme statt findet. Bei Innenaufnahmen wäre das ein bestimmter Raum, bei Aussenaufnahmen eine gegebene Stelle in einer Siedlung oder in der Natur.

Props: Abkürzung für Properties. Alles was auf dem Set als Dekoration, bewegbare Gegenstände, Möbel, Stühle, Musikinstrumente, Notenständer, etc. vorhanden ist.

Crew: Die Personen, die an der technischen Produktion des Flimes beteiligt sind.

Kameramann: Person, der die Kamera bedient und unter dem Regisseur arbeitet.

Kameraassistent: Gehilfe des Kameramanns

Tonmeister: Person, die bei den Aufnahmen für den Ton verantwortlich ist.

Oberbeleuchter: Person, die für das Licht und die Beleuchtung verantwortlich ist.

Allrounder: Bei kleineren Projekten wie unseres schaut er für die Requisiten, die Garderobe, Makeup etc. Er ist aber auch verantwortlich, dass keine unbefugte Leute durchs's Set laufen oder Zuschauer (bei Events) nicht Blitzlichtfotoapparate verwenden, welche die Videoaufnahmen kurzzeitig überbelichten.

Subjekt: Eigentlich die Schauspieler. In unserem Falle Moderator, Interviewpartner, Musiker etc. Die letzten beiden werden in der Interviewtechnik oft auch als Talent bezeichnet.

Statist: Eine oder mehrere Personen, die bei einer Szene benötigt werden, aber keine Hauptfunktionen erfüllen. Der Satist hat in der Regel keinen gesprochenen Text.

Regisseur: Die künstlerisch gestaltende Kraft und Aufnahmeleiter des Filmes.

Filmschnitt: Das was nach dem Filmen folgt. Die Verarbeitung der aufgenommenen Szenen am Computer mit bestimmten Video-Schnitt-Programmen. Im Englischen wird dafür der Begriff Editing oder Post-Processing gebraucht.

Drehbuchautor: Der Drehbuchautor schreibt den Film. Ohne Drehbuch kein Film! Das Drehbuch ist die Partitur des Films, die Verbindung aller Elemente des Films zu einer stimmigen Komposition.

Produzent: Die verantwortliche Person für die Entstehung des Fimes, der Finanzen, der Crew. Setzt das Grundkonzept fest.

Einstellung: Engl. 'Shot'. Eine einzelne Aufnahme, welche die kleiste Einheit des Geschehens bildet. Eine Einstellung beginnt mit Kamerastart, Aufnehmen und Kamerastop. Einstellungen müssen manchmal mehrmals gedreht werden, bis sie den Anforderungen des Regisseurs genügen.

Szene: Eine aufeinanderfolgende Serie von Einstellungen. Die Szene findet in der Regel an derselben Stelle statt.

Sequenz: Eine aufeinanderfolgende Serie von Szenen.

'Kamera bereit': Kamera und Tonaufnahme werden bereitgestellt. Regisseur bekommt Rückmeldung von Kameramann und Tonmeister, dass alles OK. ist.

'Kamera los': Startzeichen für Kamera und Tonaufnahme. Das Acting wartet bis zur nächsten Anweisung:

'Kamera läuft': Ausruf für die Bereitschaft der Aufnahme. Kameramann und Tonmeister haben ihre Geräte bereits gestartet und die Einstellung kann beginnen.

'Cut': Der Begriff wird sowohl beim Filmschnitt, wie auch auf dem Set verwendet. Beim Filmschnitt versteht man darunter das Schneiden von einer Einstellung oder Szene zur nächsten. Auf dem Set wird der Begriff als Ausrufewort gebraucht. "Cut" heisst "Ende der Einstellung". Der Ausruf wird vom Regisseur gebraucht, um die Aufnahme zu unterbrechen oder zu beenden. Aber auch jeder einzelne Kameramann oder der Tonmeister kann und muss den Ausruf benutzen, falls eine technische Panne sichtbar ist.

Bermerkung: Die obigen Ausrufe werden bei Live-Events NICHT benutzt. Dort laufen die Kameras ununterbrochen.

B-Roll: Darunter versteht man Einstellungen, die eine Szene ergänzen, die aber nicht unbedingt sequenziell mit den Hauptaufnahmen einhergehen. Die B-Roll-Aufnahmen können vor oder nach dem Hauptevent (Konzert, Interview etc.)
gedreht werden, in der Regel ohne Ton. Beisiele dafür sind Kirchenfenster, Deckengemälde, Naturaufnahem (zB. Nahaufnamen von Blumen), also Gegenstände, Personen, Eindrücke, die mit der primären Handlung verbunden werden können. Die B-Roll-Aufnahmen werden im Editing verwendet, um mehr Realität einzublenden oder, was auch vorkommen kann, die primäre missglückte Aufnahme zeitweise zu ersetzen. Ein Video-Editor wird sehr dankbar sein, möglichst viel (alternatives) B-Roll-Material zur Verfügung zu haben.

Deshalb: Jeder Kameramann sollte seine Kreation walten lassen, und mindestens 10 Minuten pro Tag themenbeogenes  B-Roll-Material filmen.


->Weiter zum Teil III

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